They all went to the beach.




They all went to the beach
They all went to the beach
curated by Jan Arnold Gallery


They all went to the beach...


Eine leere Schaukel. Keiner da. Alle gingen sie an den Strand und ein Spielplatz bleibt verweist zurück. Auch die Freiheiten die einem Kind eigentlich gewährt werden müssten, um sich gesund zu entwickeln, verfallen. Spielerische Neugierde? Wie erstarrt. Völlige Leere, und trotzdem: für Andere ist kein Platz. „Unser“ Platz ist schon belegt. Das Zelt ist voll.

Ein Dilemma der heutigen Zeit: Eine Balance zwischen Freizeit und Arbeit zu finden. Zwischen Entspannung und Aktion. „Freizeit“ wird vollgestopft mit übermäßigem Tatendrang. Lebensmüdigkeit entsteht. Die Menschen rennen vom „echten“ Leben weg, flüchten in Scheinwelten.

Der Strand steht nicht mehr für Entspannung, Versenkung, Berührung mit der Natur, wohltuende Geselligkeit. Sondern das allzeitige Tun, Sehen und Gesehen werden, Körperoptimierung, Konkurrenzkampf stehen im Vordergrund.

Dabei ging auch die aktive und mitfühlende Teilnahme an einer Gesamtgesellschaft und deren Wohl verloren. Leute landen nach schweren Überfahrten am Strand. Alle sehen hin, doch keiner will das „Fremde“ haben oder sich längerfristig darum kümmern. Hauptsächlich Überaktivitiät für und im eigenen Leben bleibt übrig.

Der Strand steht für Begierden, meist aber für solche, die nur für einen kurzen Moment auffüllen – keine nachhaltige Zufriedenheit begünstigen. Hinter der extremen Lustgesellschaft lodert eine große Lustlosigkeit, Leere und Abgeklärtheit. Diese wird permanent versucht zu überdecken mit erneutem Tatendrang. In einer Zeit der großen Widersprüche ist nahezu jeder schnell ausgebrannt – zumal auch jeglicher Schutzraum fehlt und dabei die Zeit um überhaupt zu sich zu kommen um nachzudenken – auf das Wesentliche zu fokussieren. Es bleibt nur mehr genug Energie für einzelne Schlaglichter, die aber zwingen wahllos zu selektieren, verwirren und einen Tunnelblick zur Folge haben.

Die Gesellschaft steht auf wackligen Beinen, es könnte ganz plötzlich der Zeitpunkt der Explosion da sein: An dem unser labiles Kartenhaus zusammenstürzt und die menschliche Wut unkontrolliert über uns hereinbricht. Das zarte Glas birst, die Schaukel erstarrt, das Streichholz entzündet. Also lasst uns das Glashaus bewusst einwerfen bevor es von selbst knallt. „Abgebrannt“ sind wir eh schon zu einem großen Teil, es gibt also nicht mehr viel zu verlieren. Dann könnte sich die Spannung endlich entladen und der Weg für konstruktive Energieressourcen wäre bereitet. Neue Perspektiven könnten freigelegt werden, auch im „Kopf“ – die menschliche Subjektive ist eines unserer mächtigsten Werkzeuge. Nur Mut. Die Schaukel käme wieder in ein starkes Momentum.


In diese zeitgenössische Gesellschaftslage hakt die Jan Arnold Gallery mit 5 Installationen im Außenraum ein und gewährt Einblick und Fokus auf die Schwierigkeiten die uns im Moment beschäftigen (sollten). Und das in unmittelbarer Nähe eines verklärten Phototourismushotspots in Wien: neben der Sezession.

Wie und wo könnten wir ansetzen um neue Lösungen zu finden?

TEXT: Erika Eisenhut